SPD-Landesvorsitzender übt scharfe Kritik an Höcke-Auftritt in Dresden

Veröffentlicht am 18.01.2017 in Kampf gegen Menschenfeindlichkeit

Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Bausewein reagiert mit harscher Kritik auf die Äußerungen, die Björn Höcke während einer Veranstaltung bei der Jungen Alternative in Dresden von sich gegeben hat

Bausewein: „Wenn insbesondere in bürgerlichen Kreisen noch Restzweifel über die Gesinnung von Björn Höcke und seine Gefolgschaft bestanden haben sollten, dann dürfte der "Schleier der Unkenntnis" spätestens mit seiner Rede in Dresden gefallen sein. Wer angesichts der historisch einmaligen Verbrechen des Nationalsozialismus sein politisches Süppchen auf Kosten der millionenfachen Opfer kocht, disqualifiziert sich endgültig und dauerhaft dafür, politische Verantwortung in unserem Land zu übernehmen oder gar als Geschichtslehrer tätig zu sein. Die hessische Landesregierung ist spätestens jetzt aufgefordert, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten.“

Mit Blick auf die Äußerungen zum Geschichtsbewusstsein und zur Erinnerungskultur der Deutschen entgegnet Bausewein:

Herr Höcke stellt zwar vollkommen zu Recht fest, dass Deutschland als Kulturnation Größen von Weltrang hervorgebracht hat. Die entscheidende Frage sei aber, wie gerade eine solche Kulturnation in eine unbeschreibliche Barbarei abgleiten und innerhalb kurzer Zeit sämtliche Werte des Humanismus über Bord werfen konnte. Zumal Deutschland gerade infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten einen unvergleichlichen Aderlass in Kunst, Kultur und Wissenschaft erlitten hat. Viele renommierte Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler verließen Deutschland ins Exil.

Verwundert zeigt sich Bausewein auch über die pauschale Verunglimpfung der Thüringer Geschichtslehrer:

Ich kann nicht beurteilen, ob Herr Höcke hier aus seiner eigenen Tätigkeit berichtet, aber für die Thüringer Geschichtslehrer kann ich aus eigenen Erfahrungen die Unterstellung, sie würden die deutsche Geschichte "mies" und "lächerlich" machen, nur mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen. Diese Einschätzung geht um Längen an der Lebensrealität in den Thüringer Klassenzimmern vorbei. Das mag aber auch damit zusammenhängen, dass Herr Höcke aufgrund seiner eigenen Biografie eben nur über praktische Erfahrungen in Hessen verfügt.  

Wenn Björn Höcke davon spricht, dass die AfD die einzige mögliche Rettung für Deutschland sei, dann kann man dem nur entgegen halten: Höcke und seine Gefolgsleute würden nicht die Rettung, sondern den Untergang für Deutschland bedeuten! Wohin rechte Scharfmacher führen können, haben wir in der Weimarer Republik zur Genüge erlebt. Die Lehren aus diesen leidvollen Erfahrungen erfordern daher auch weiterhin ein entschlossenes Bekenntnis zu unserer historischen Verantwortung, zur Verteidigung der Menschenwürde und für geeintes Europa. Wir werden nur gemeinsam mit unseren europäischen Partnern den Frieden und Wohlstand sichern und im Weltmaßstab eine bedeutsame Rolle spielen können, stellt der SPD-Landesvorsitzende abschließend fest.      

 

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